Orhei vechi

Orhei vechi (altes Orhei) - Kirche im Felsen

"Orhei vechi" liegt gut 60 km Wegstrecke nördlich von Chiºinãu entfernt. Wenn du auf der A253 bist, der Straße nach Orhei/Soroca, dann bist du auf den richtigen Weg in dieses mittelalterliche Zentrum. Sobald du auf deinem Weg das Dorf Peresecina verlassen hast, musst du nach ca. 3 km rechts von der A253 abbiegen. Aber ACHTUNG: die Beschilderung nach Orhei vechi ist sehr unscheinbar. Orhei_vechi02.jpgDieser unscheinbaren Beschilderung folgst du noch einige Kilometer durch eine wunderschöne Natur und du gelangst geradewegs in das Dorf. Vor dem Eingang zum Dorf geht es dann links hoch auf den Berg zum Kloster. Auf dem Bild rechts siehst du die Straße, die nach Orhei vechi führt. In den Bäumen versteckt ist das ehemalige Museum, das sich jetzt links im Neubau befindet. Dort wird auch bald ein Hotel eingerichtet sein. Es war für mich bemerkenswert, als ich das hörte. Zeigt diese Entwicklung doch, dass man in Moldawien den Tourismus stärker erschließen möchte. Im Museum sind die Funde ausgestellt, die man auf dem Berg beim Kloster und in einer alten Wohnstätte in der Nähe des Ortes gefunden hat. Der Besucher hat auch die Möglichkeit, Broschüren über diese Gegend kaufen zu können.

Der Weg zum Kloster vom Fuße des Berges aus ist nicht sehr weit. Als erstes siehst du dann einen Glockenturm, unter dem der Eingang zum Kloster im Felsen ist. Nur wenige Stufen gehst du in den Berg hinunter und du stehst mitten in einer orthodoxen Kirche. Hier lebt noch ein Mönch/Priester und die Gemeinde von Orhei vechi feiert dort auch Gottesdienst. Orhei_vechi12.jpgDieser Mönch schläft sogar in dem Kloster. Dort sind noch aus alter Zeit die Schlafplätze in der Steinwand vorhanden - keine Betten, kein Stroh oder ähnliches, nur harter Stein mit einer Decke. In meiner Fotogalerie siehst du diesen Schlafplatz. Viele Menschen verweilen in dieser Kirche, zünden Kerzen an und beten. Und es sind nicht nur alte Menschen, die man hier so antrifft. Da die Kirche im Felsen unterhalb der Erde in einem nicht allzu breiten Bergrücken ist, hat sie auch eine zweite Tür. Hier gelangst du auf einen "Balkon" in der Felswand. Einen gewaltigen Ausblick kannst du hier genießen, einen Blick über den Fluß unterhalb des Berges. Auf dem Foto erkennst du den "Balkon" mit der Tür und den Fenstern der Kirche. Weiter hoch auf dem Berg kommst du zur zweiten Kirche. Sie wurde gerade renoviert, als ich hier war, so dass ich innen noch nichts von dem Reichtum einer orthodoxen Kirche sehen konnte. Doch ich denke, auch sie wird in Zukunft mit ihrem Reichtum die Besucher in dieses Dorf anlocken.

Wenn du den Berg weiter östlich entlang gehst, dann kannst du über einen kleinen Weg hinunter gehen. Doch für diesen Weg solltest du festes Schuhwerk tragen. Ein schmaler Pfad führt den steilen Berghang hinunter. Es ist schon ein wenig abenteuerlich, hier nach unten zu gehen. Aber es macht einen riesen Spaß. Wie du auf dem Bild erkennen kannst, sind wir diesen steilen Weg gegangen. Doch es sieht hier einfacher aus, als es in Wirklichkeit ist.Und es lohnt sich, den Weg zu gehen. Unten vom Fluß her hast du einen gewaltigen Blick nach oben. Du siehst die Felswand, die Kirche mit dem "Balkon" und die gelbe Kirche auf dem Berg. Und nicht nur das! Erst hier unten erkennst du, dass in dem Berg noch einige Höhlen sind. Diese wurden im 13. Jahrhundert von vier Mönchen ausgebaut. Im gesamten Bergrücken war ein Labyrinth an Wege, die die einzelenen Höhlen miteinander verbunden. Die Mönche erichteten hier Orte, um Gottesdienst feiern zu können. Sie dienten aber nicht nur dazu, sondern waren auch Zufluchtsorte in Zeiten der Bedrängnis. Über die größe der Höhlen kannst du einen Eindruck gewinnen durch meine Fotos in der Fotogalerie. In den Wänden der Höhlen sind auch Texte in einer alten slawischen Schrift gemeißelt worden. Diese haben wohl die Mönche kurz vor ihrem Tod verfasst, als sie von einem Einsturz des Höhlengewölbes überrascht wurden und dort starben.

Nicht nur der Felsen und seine Kirchen bieten dem Besucher das Besondere in dieser Gegend.Auch das kleine Dorf selbst hat etwas zu bieten. Hier befindet sich ein ca. 150 Jahre altes Haus, das renoviert wurde. Es wurde wieder so hergestellt, wie es zu jener Zeit gewesen war. Heute ist es dem Besucher als Museum geöffnet und jeder kann einen Eindruck gewinnen, wie die Menschen vor 150 Jahren gelebt haben müssen. Der zentrale Ort des Hauses war der Raum mit dem Ofen. So hatte man eine Stelle, um das Essen zuzubereiten und das Zimmer warm zu halten. Die Schlafstätten waren erhöht, meistens hinter dem Ofen, so dass man auch nachts nicht frieren mußte. In die Häuser ging man meistens ein paar wenige Stufen hinunter. Dadurch nuzten die Menschen im Sommer die etwas kühlere Erde, während im Winter es nicht ganz so kalt gewesen war. Das Haus ist Teil eines Hofes, wo noch weitere kleine Häuser und kleine Ställe sind. In einem Haus z.B. zeigte uns die Frau, mit welchen Hilfmitteln Wein hergestellt wurde. Dieses Haus war also das Arbeitshaus.

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