Cricova

"Moldova ist nicht klein, es hat schließlich zwei Etagen",

sagte der junge Mann aus Cricova, der uns die Weinkellerei zeigte. Und so fuhren wir mit dem PKW in die unterirdische Stadt, ca. 80 Meter unterhalb der Erde. Eine Stadt mit mehr als 60 km Straßenlänge. Jede Straße hat einen eigenen Namen. Sie heißen "Cabernet", "Merlot", "Dionis" usw., also die Namen bekannter moldawischer Weine. Hier lagern über 30 Mio Liter Wein und Sekt von bester Qualität in den großen Holzfässern am Straßenrand. Das Ausmaß dieser unterirdischen Stadt zeigt der "Stadtplan", den jeder Besucher erhält. Es ist wahrlich ein riesengrpßes Labyrinth. Hier sind immer konstante 10 - 12 °C Temperatur und 97% Luftfeuchtigkeit. Eine Umgebung, in der sich der Wein wohl fühlt und sein zweites Leben lebt, wie der Sprecher in dem Movie zu der Weinkellerei sagt. Diesen kleinen Film (rumänisch, russisch und englisch) kann der Besucher auf einer CD erwerben.

Die Führung durch den Stollen meldet man am besten ein, zwei Tage vorher an. Mit einem PKW sind wir dann in den Berg gefahren, denn nur so hat der Besucher die Möglichkeit, Cricova zu besichtigen. Am Eingang erwartete uns der Reiseführer, der uns offiziell begrüßte und durch das Labyrinth führte. Die Führung wird in rumänisch, russisch oder englisch gehalten. Es ist bemerkenswert, neben den großen Fässern mit Wein zu stehen, 80 Meter unter Erde. Und durch die Straßenschilder weiß man, wo man sich in dieser Stadt befindet. Man hat das Gefühl, den Wein am liebsten sofort probieren zu wollen. Doch dafür bietet natürlich die anschließende Weinprobe die bessere Möglichkeit.

Doch vor der Weinprobe ging es erst einmal zu Fuß in einen edlen Raum, dessen Rundgang ein Weinglas nachbildet. Hier liegen 1,2 Mio Flaschen des besten moldawischen Weines. Wein aus den verschiedensten Jahren und von den unterschiedlichsten Trauben. Und hier liegen nicht nur Weine aus Moldawien. Auch über 100 Exemplare aus anderen Ländern zumeist aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, kann der Besucher hier bewundern - Weine aus Frankreich, Italien, Ungarn usw. Der älteste Wein ist ein Jerusalemer aus dem Jahre 1902. Auch ein deutscher Wein der 30er Jahre von der Mosel ist im Besitz der Weinkellerei. Die Weine lagern in Fächern, die jeweils eine eindeutige Nummer haben. Dadurch weiß man, welche Rebsorte aus welchem Jahrgang dort lagert. Die Flaschen lagern ohne Etikett. Das wird erst kurz vor dem Verkauf aufgeklebt.

Die Weinprobe selbst findet in einer der fünf Testinghalls statt. Diese sind verschieden groß und originell eingerichtet. Jeder Raum hat einen Namen: "Casa mare", "President", "Juri Gagarin" ... Der Raum "President" zum Beispiel bietet großen Gruppen bis zu 50 Teilnehmern Platz für eine Weinprobe. Er ist mit "Tageslicht" ausgestattet, obwohl wir uns hier 80 Meter unter der Erde befinden. Tageslicht ist für eine Weinprobe von großer Bedeutung, denn nicht nur Geschmack und Geruch sind ein Kriterium, um Wein zu beurteilen. Auch das Aussehen ist von großer Bedeutung für das Urteil über einen Wein. Außerdem hat dieser Raum eine sehr gute Akustik, so dass kein Mikrophon bei der Weinprobe notwendig ist.

Sehr stilvoll eingerichtet sind der Raum "Casa mare" und das Kaminzimmer. Im "Casa mare" sind rechts und links die Wände mit Holzschitzereien von Szenen aus dem täglichen Leben der Menschen versehen. Tradition und Brauchtum sind hier dargestellt. In meiner Fotogalerie kannst du dir diese Schnitzereien ansehen und einen kleinen Eindruck davon gewinnen.

Wie wir sehen, ist auch ein Raum nach dem ersten Menschen im Weltraum benannt. In diesem Raum durften wir die Weine probieren und es war schon etwas Besonderes. Juri Gagarin hatte gesagt, als er nach einer Weinprobe Cricova wieder verließ, dass es einfacher für ihn gewesen sei, die Erdanziehungskraft zu verlassen als diesen Ort mit einem der besten Weine. Selbst der französische Präsident sagt, dass aus Cricova einer der besten - oder nach dem französischen - der beste Sekt kommt.

Die Eindrücke in Cricova sind riesig und ich kann dir nicht alle schildern, zum einen muss man es erlebt haben und zum anderen wird dann sicherlich diese Seite zu langartmig werden. Und wenn du mehr als hier geschrieben wissen möchtest, dann kannst du dich auch gerne mit mir in Verbindung setzen.

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